• Marcia Gerwers

Das Leben als Digital Nomade – was du bedenken solltest

Aktualisiert: Juni 29

Den Blick aufs Meer gerichtet, den Laptop auf dem Schoß, Smoothie in der linken, Smartphone in der rechten Hand. Nomadinnen arbeiten dort, wo die Internetverbindung gut und der Kaffee günstig ist. Sie sind überall zuhause – heute Thailand, morgen Berlin.

So stellen sich die meisten wohl digitale NomadInnen vor. Aber: Es ist nicht alles Gold was glänzt, sagt ein altes Sprichwort - und das trifft auch hier zu!


Bulli auf einer Brücke vor Naturkulisse
Digital Nomade: Arbeiten von Unterwegs hat seinen Reiz - aber auch Nachteile.

Bevor ich dir erkläre, weshalb dein aktuell fester Arbeitsplatz gar nicht so übel ist, zunächst einmal ein paar Basics: Wer den Begriff “Digital Nomade” noch nie gehört hat, der lasse sie sich wie folgt erklären: Digitale NomadInnen sind Produkt des digitalen Zeitalters. Digitale NomadInnen sind SoftwareentwicklerInnen, Online Coaches, BloggerInnen etc. die an keinen festen Ort gebunden sind, um Geld zu verdienen und diese Freiheit in vollen Zügen genießen. Digitale NomadInnenn sind Menschen, die einen festen Wohnsitz ablehnen, weil sie lieber die Welt erkunden - anzutreffen vorzugsweise in urbanen Cafes mit free Wifi, oder in Co-Working Spaces.

Falls du mal einen treffen und dich anschließend in Freiheitssehnsucht wiegst, denke immer dran:


1. Soziale Kontakte sind essentiell


Wer ständig neue Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennenlernt, wird in seiner eigenen Persönlichkeit sicher wachsen. Ein besseres Verständnis für andere, Offenheit und Unvoreingenommenheit können daraus resultieren. Eine globalisierte Welt profitiert von solchen Eigenschaften. Doch wir Menschen sind nicht nur neugierig, sondern eben auch sozial. Ständiges Reisen erschwert so manchen Kontakt zu Freunden und Familie. Überhaupt ist es für digital Nomads schwierig Freundschaften aufzubauen und/oder zu erhalten. So werden aus Bekanntschaften oft keine Freunde und viele Nomaden berichten von empfundener Einsamkeit. Daher ist das Nomadendasein oft nur eine Station für viele Menschen: Ein Jahr, oder zwei und dann geht es wieder in die Heimat. Doch dort haben sich in der Zwischenzeit neue soziale Strukturen entwickelt, neue Freundschaften sind entstanden, Kinder wurden geboren, Partnerschaften sind auseinander gegangen. Die Rückkehrer werden zumeist nicht die Ausgangssituation vorfinden und während des Einlebens stellt sich für so manchen ein Gefühl ein „etwas verpasst zu haben“. Wer sich also für ein Leben aus dem Koffer entscheidet, sollte daher ganz besonders beachten, dass die Pflege der sozialen Kontakte in der Heimat stets hohe Priorität haben sollte.



2. Freiheit! Freiheit! Freiheit?


Für die sinnsuchende Generation Y, unter denen sich die meisten digital Nomads finden lassen, ist Freiheit ein zentrales Gut. Sie wollen sich nicht einschränken lassen, wollen das machen, wozu sie sich berufen fühlen. Sie lehnen klassische Rollenmodelle ab und definieren diese lieber ganz individuell. Der digitalen NomadInnen sind frei. Sie können frei wählen, wo sie arbeiten möchten. Oder auch mal einen Tag frei nehmen. Jederzeit.

Scheint diese neugewonnene Freiheit zu Beginn ein absoluter Gewinn zu sein, nutzt sich diese Freude oft ab. Routinen zu entwickeln, ohne Routinenzwang fällt schwer und einige NomadInnen klagen nach einer Zeit über Motivationsschwierigkeiten. Warum aufstehen, wenn man auch liegenbleiben kann?

Nicht für jeden leicht zu beantworten. Daher sollte man sich viele Gedanken darüber machen, welcher Typ Mensch man selbst ist. Schaffe ich es, mich selbst zu motivieren? Welche Alltagsroutinen könnten mir dabei helfen? Die Beantwortung solcher Fragen hilft vielen dabei ihren eigenen Rhythmus zu finden.


3. Die Kosten des Lebens als Digital Nomade


Heute Helsinki, morgen Bali: Wow. Digital Nomads sehen so viel von der Welt. Ja das stimmt, aber zwischen Helsinki und Bali liegt dennoch ein Flug für mehrere hundert Euro. Und in Bali angekommen, gilt es eine Unterkunft zu finden. Aber wie viel darf diese kosten? Vielleicht 30 Euro pro Nacht oder weniger?

Das Nomadendasein ist mit Kosten verbunden: Flüge, Unterkünfte, Fortbewegung, Wifi. All das muss geplant werden - und ist in der Regel mit Kosten verbunden. Wer 100 Euro die Nacht ausgibt, um in Strandlage zu wohnen, muss die Kröten ja auch erstmal verdienen.

In Folge leben viele der sinnsuchenden NomadInnen in fast schon prekären Verhältnissen. Mehrbettzimmer am Stadtrand und günstiges Fastfood sind häufig die Realität. Wer mehr will, muss mehr arbeiten. Da liegt die besondere Herausforderung, schließlich lockt Ablenkung an jeder Ecke.


4. Kundenkommunikation als Digital Nomade


KundInnen digitaler NomadInnen sind leider häufig die Leidtragenden und das hat sich durchaus rumgesprochen. Wenn es nicht unbedingt sein muss oder perfekt zur Dienstleistung passt, sollte der ständige Ortswechsel also lieber ein Geheimnis bleiben. „Der Kunde ist König“ ist zwar Spruch aus der alten Zeit, aber dennoch wahr, insbesondere im Dienstleistungssektor.

Die KundInnen der NomadInnen müssen häufig deren Bürden mittragen. Schlechte Internetverbindung, stockende Skype Calls, Zeitverschiebung, keine Vor-Ort-Präsenz: Nimm DAS Kunde! # inyourface Darauf haben einige KundInnen schlichtweg keine Lust - und das kann die Auftragslage beeinflussen.


Also: Es hat viele Vorteile als digitale/r NomadIn zu agieren. Die Freiheit ist wohl der entscheidendste Faktor, dieses Arbeits- und Lebensmodell zu wählen. Wer sich dafür entscheidet, sollte seinen KundInnen trotz Entfernung, Nähe vermitteln und eine gute Erreichbarkeit gewährleisten. Sonst wird es vielleicht doch das unkomfortable Mehrbettzimmer…


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