Hund im Büro: So klappt’s! Interview mit den Züchtern von Souldachs FCI

Laura Beimel und Felix Knoch sind als Souldachs Kennel FCI Züchter aus Leidenschaft. Sie selbst haben aktuell vier Hunde und eine ganze Rasselbande Welpen. Zwischen „normaler“ Arbeit und Welpenbespaßung haben sie sich dennoch Zeit genommen, uns ein paar Fragen rund um das Thema „Bürohund“ zu beantworten.

Laura mit Hündin Mali. Mit ihr fing die Dackelliebe und die Zucht an. Bildquelle: Laura Beimel

f&w: Ihr seid Dackelzüchter, arbeitet aber auch in Vollzeit in Büros. Könnt ihr eure Hunde mitnehmen?


Laura & Felix: Generell wäre es schon möglich, Hunde mal mit ins Büro zu nehmen. Da wir allerdings vier Hunde und somit ein ganzes Rudel haben, gestaltet sich die Situation bei uns natürlich etwas anders. Die vier bleiben tagsüber zu Hause.


f&w: Welche Empfehlungen habt ihr für Leute, die ihre Hunde nicht mit zur Arbeit nehmen können?


Laura & Felix: Organisation ist alles. Ab einem gewissen Alter ist es zwar möglich, den Hund während der Arbeitszeit zu Hause zu lassen, aber das sollte nicht das Ziel sein.


f&w: Und wenn es nicht anders geht, so wie bei euch?


Laura & Felix: Gleitzeit und Homeoffice sind gute Möglichkeiten, den Tagesablauf flexibel zu gestalten. So können die Bedürfnisse des Hundes trotz Vollzeitjob gestillt werden. Alleine die Möglichkeit, die Mittagspause für einen Spaziergang zu nutzen, hilft vielen Hunden den langen Arbeitstag alleine zu überstehen. Generell fragen wir unsere Welpenkäufer, ob Familie, Freunde oder Dienstleister, wie z. B. einen Gassiservice einspringen können. Natürlich ist es nicht immer möglich, dass sich der Besitzer rund um die Uhr selbst um seinen Hund kümmert, es sollten jedoch Betreuungsmöglichkeiten garantiert sein.


f&w: Wenn mein Hund häufiger lange allein bleiben muss, hilft ein Zweithund?


Laura & Felix: Die Antwort lautet: bedingt und absolut fallbezogen. In der Regel geht es nicht nur primär um das Alleinesein an sich, sondern um die Trennung von der Bezugsperson. Und das sind im besten Fall eben Herrchen und/oder Frauchen. Darauf reagiert jeder Hund anders. Ein Zweithund kann für etwas Ablenkung und Beschäftigung sorgen. Jedoch sollte in jedem Fall die Betreuung durch einen Menschen (und wenn auch nur während der Mittagspause) sichergestellt sein. Im schlimmsten Falle übertragen sich Verlustängste des Ersthundes auf den Zweithund. Das verdoppelt das Problem dann buchstäblich. Übrigens – genauso wie bei Menschen gilt: Auch bei zwei Hunden müssen die Charaktere zusammenpassen!


f&w: Welche Kommandos muss ein Hund können, wenn er mit ins Büro soll?


Laura & Felix: „Decke“ und „Bleib“: Es ist essenziell, dass der Hund sich längere Zeit hinlegen kann und sich dabei auch entspannt. Das Körbchen sollte auch im Büro ein Rückzugsort sein.

„Nein“, „Aus“ und „Schluss“ zum Korrigieren von Fehlverhalten, sei es Bellen, Betteln oder unerwünschtes Begrüßen von Kollegen oder Kunden etc.


f&w: Was kann ich schon vor dem ersten Mal im Büro zu Hause üben?


Laura & Felix: Bei einem jungen oder unerfahrenen Hund empfiehlt sich der schrittweise Aufbau der essenziellen Kommandos. Dabei ist es wichtig, dass Kommandos zunächst in reizarmer Umgebung und ohne Ablenkung geübt werden. Mit zunehmender Erfahrung des Hundes können die Übungen unter immer mehr Ablenkung trainiert werden. Dazu gehört zum Beispiel das Hinlegen während des Kochens, Fernsehens, Türklingelns oder wenn Besuch kommt.

Liebevolle Konsequenz ist der Schlüssel bei der Bürohund-Erziehung. Bildquelle: Laura Beimel

f&w: Wie läuft die Eingewöhnungsphase im Büro?


Laura & Felix: Der Hund sollte von Anfang an lernen, dass das Büro für ihn ein Ruheort ist.

Pauschal lässt sich die Frage jedoch schlecht beantworten. Es kommt immer auf den Charakter des Hundes an. Generell empfiehlt es sich aber, den Einstieg schrittweise vorzunehmen und den Hund langsam an den neuen Alltag zu gewöhnen. Für den Anfang bietet es sich beispielsweise an, während des Urlaubs ein paar Stunden mit dem Hund im Büro zu verbringen.


f&w: Ab welchem Alter kann ein Hund mit ins Büro?


Laura & Felix: Das Alter des Hundes ist hierbei weniger ausschlaggebend. Der Hund sollte sicher stubenrein sein und die Grundkommandos zuverlässig beherrschen.


f&w: Sollte ich meinem Hund Spielzeug mit ins Büro nehmen?


Laura & Felix: Geräuschlose Kautaue sind super. Quietschspielzeug oder das Lieblingsspielzeug, das den Hund zu Hause durchdrehen lässt, ist weniger empfehlenswert.


f&w: Wie ist es mit sonstigem Kauzeug?


Laura & Felix: Aus Rücksichtnahme auf die Kollegen sollte getrockneter Pansen und Ochsenziemer kein Begleiter im Büro sein.


f&w: Was mache ich, wenn mein Hund anfängt, das Büro als sein Territorium zu sehen?


Laura & Felix: Die Antwort auf diese Frage ist sehr komplex. Sollte ein Hund anfangen, das Büro als sein „Territorium“ zu sehen, ist in dem „Rudel“ wohl nicht klar, wer den Ton angibt. Falls es so weit kommt, muss man sehr konsequent mit dem Vierbeiner sein und darf kein(!) Fehlverhalten dulden. Lässt sich dieses Verhalten nicht durch Herrchen oder Frauchen korrigieren? Dann bloß nicht zu lange zögern und einen Hundetrainer hinzuziehen.


f&w: Egal ob im Büro oder Zuhause - was macht einen Hund am Arbeitsplatz zu einer echten Bereicherung?


Laura & Felix: Studien haben gezeigt, dass schon die Anwesenheit und das Streicheln von Tieren helfen, den Blutdruck und die Herzfrequenz zu senken.

Die Ausschüttung der Wohlfühl-Hormone Serotonin und Oxytocin wird dabei gesteigert, sodass Stress reduziert wird. Kurz: Hunde am Arbeitsplatz machen Freude und sorgen für ein besseres Arbeitsklima.


f&w: Wann nervt ein Hund am Arbeitsplatz?


Laura & Felix: Sitzen weder die Grundkommandos, noch ist klar, wer in der Mensch-Hund-Beziehung den Ton angibt, wird der Hund im Büro schnell zur Geduldsprobe. Man ist schnell entnervt/frustriert und kann sich nichtmehr vernünftig auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren.


f&w: Worauf sollte ich bei einem Hund achten, der mit ins Büro kommen soll?


Laura & Felix: Wir persönlich würden in diesem Kontext von Hunden aus dem Tierheim abraten, egal wie alt sie sind. Man kennt leider nur in den wenigsten Fällen die komplette Vorgeschichte der Tiere. Daraus können extreme Probleme resultieren, vor allem wenn sie zum Beispiel aus dem Ausland kommen und lange auf der Straße gelebt haben oder viele schlechte Erfahrungen mit Menschen gesammelt haben. Solchen Hunden tut man meist keinen Gefallen, wenn man sie mit ins Büro nimmt. Junge Hunde oder sogar Welpen sind zwar am Anfang sehr arbeitsintensiv, aber sie lernen alles von klein auf und dem Halter stehen somit alle Türen offen.


f&w: Gibt es Hunderassen, die nicht gut ins Büro passen?


Laura & Felix: Alle Rassen verhalten sich aufgrund ihrer Genetik sehr unterschiedlich. Wir glauben, dass man jede Rasse zum Bürohund erziehen kann, jedoch gibt es verschiedene rassespezifische Charakterzüge, die eine Rasse als Bürohund zunächst nicht ideal erscheinen lassen. Da ist dann möglicherweise mehr Erziehung und die Hilfe eines Hundestrainers nötig.

Hütehunde sind beispielsweise oftmals eher schwierige Bürohunde. Sie wurden ursprünglich gezüchtet, um Herden zusammenzutreiben. Das kann dann Probleme geben, wenn jemand das Büro verlässt. Darüber hinaus neigen Sie zum Bellen, wenn jemand das Büro betritt.

Man sollte sich auch im Klaren sein, dass es Hunderassen gibt, die sehr stark sabbern, haaren oder aufgrund der kurzen Schnauze beim Atmen regelrecht grunzen (siehe Mops, franz. Bulldogge). All diese Eigenschaften können bei Kollegen und Chefs auf Unverständnis stoßen. Das sollte im Vorfeld gut überdacht und auch angesprochen werden.


f&w: Welche Erfahrungen habt ihr aus eurem Umfeld mit Bürohunden/Vollzeitberufstätigen mit Hund gemacht?


Laura & Felix: Nach der anfänglichen Eingewöhnungszeit ist ein Bürohund eine wahre Bereicherung. Überstunden können problemlos und ohne schlechtes Gewissen gemacht werden, der kleine Spaziergang in der Mittagspause eignet sich hervorragend, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen.

Für uns steht fest: Sollten wir selbst mal auf der Seite des Arbeitgebers sitzen, sind Bürohunde definitiv erwünscht!

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